1996

 

 

Größter Einsatz war der Stadthallenbrand

Tagespost, 4./5. Januar 1997

 

-tom- Der heißeste Monat des Jahres war auch für die Speyrer Feuerwehr „heiß“. 60 mal mussten die Mannen um Wehrleiter Peter Kaiser im Juli vergangenen Jahres ausrücken. Insgesamt läuteten die Alarmglocken in der Industriestraße 476 mal. Die gerade vorgelegte ’96er Einsatzbilanz der Feuerwehr zeigt aber einmal mehr auf, dass Feuerlöschen schon lange nicht mehr die Hauptaufgabe der Feuerwehren ist. Von den 60 Einsätzen im Juli beispielsweise fielen 39 unter die Rubrik „Technische Hilfe“.

Dennoch war es ein Feuer, dass den größten Einsatz forderte. Der Brand der Stadthalle am 28. Januar vergangenen Jahres steht als einziger Speyerer Großbrand in der Bilanz. Großbrand heißt im Feuerwehrjargon ein Einsatz, der mehr als drei C-Rohre oder Wasserwerfer erfordert. Von diesen Einsätzen absolvierten die Speyerer noch jeweils einen in Römerberg und Ketsch zur Unterstützung der örtlichen Wehren.

Als Gesamtwerk liest sich die von Pressesprecher Hubert Kling zusammengestellte Bilanz für das Jahr 1996 wie folgt: Insgesamt rückte die Feuerwehr Speyer zu 476 Einsätzen (1995: 448) aus. Davon 149 mal bei Feuer, 258 mal zu technischen Hilfeleistungen und auch 69 mal wegen Falschalarms. Bei den Feuer-Einsätzen interessant: zu den zu löschenden Objekten gehörten auch zwei Telefonzellen, 17 mal brannten Müllbehälter, 27 mal Autos.

Während die Feuer-Einsätze zwar aufwendig, aber mehr oder weniger routinemäßig ablaufen, wird bei Einsätzen der technischen Hilfeleistung oft eine gehörige Portion Improvisation gefordert. So etwa bei der Rettung nach einem Eisunfall (was zur Zeit wieder auf die Wehrleute zukommen könnte) oder bei 22 Aktionen zur Tierrettung. Wie beispielsweise fängt man auf einem Weiher einen kranken Schwan, der nicht ahnen kann, dass man ihm nur Gutes tun will?

Nicht in der Bilanz erscheinen die 9000 Stunden, die die rund 80 Wehrleute des Alarmdienstes im Einsatz oder bei Brandwachen (ohne Übungen!) zugebracht haben. Diese Zahl wurde „hinter den Kulissen“ ausgerechnet. Sie lässt aber ahnen, dass bei einer solchen Einsatzleistung zusätzliche Fehlalarme besonders ärgerlich sind. Und von denen gab’s vergangenes Jahr immerhin 69. Etwa drei Viertel davon wurden durch Fehlfunktionen automatischer Brandmeldeanlagen oder gutgläubige Anrufer ausgelöst. Den Ärger besorgt das letzte Viertel. „Vermutlich in böswilliger Absicht“, steht in der Einsatzbilanz geschrieben. Diese Anrufer werden zwar polizeilich verfolgt, doch die Ermittlungen verlaufen fast immer im Sand.