1943 -1945 Während des Krieges

Übung am Rhein vor 1945

Bericht von OBM a.D. Karl Bayer (+)

Vom März 1943 bis Kriegsende 1945

Am 02. März 1943 trat ich die Lehre als Spengler und Installateur bei der Firma Otto Hopp an.

In dieser Zeit trat ich auch der Feuerwehr bei. Herr Hopp war auch mein Gruppenführer. Meine erste Arbeit war im Spritzenhaus Karmeliterstraße die Mithilfe beim Waschbecken setzen, Wasserleitungen legen und mit einem Abfluss zu versehen.

Ich wurde vom damaligen Gerätewart Schellenberger eingekleidet. Eine blaue Arbeitshose, blauer Uniformrock mit silbernen Knöpfen, neue Stiefel, ein Hakengurt, eine Koppel und ein blaues Schrätzchen. Ich wurde zum LF 8 Fahrzeug Balke, eingebaute Pumpe 1200 ltr. und 3 Rollläden eingeteilt. Der Gruppenführer war Otto Hopp. Es waren lauter ältere Feuerwehrleute.

In der Spenglerwerkstatt half ich dann sechs Blechbehälter für Benzin und Diesel zu bauen. Die Behälter wurden in der Größe so gebaut, dass sie in den LF 15 im Mannschaftsraum mitgenommen werden konnten.

Zwei Blechbehälter aus 20er Blech für je 1 Kubikmeter Inhalt wurden gebaut. Ein Blechrohr, 100mm Durchmesser mit einer Saugkupplung, sowie ein Füllrohr B-Rohr mit einer B-Druckkupplung wurden herausnehmbar eingebaut. Diese Behälter wurden auf zwei TS8-Anhänger zum abnehmen aufmontiert. Sie dienten im Krieg zur Überbrückung langer Wasserstrecken, sowie später für Saugübungen.

 

 

 

 

Das Fahrzeug Balke stand mit einem LF 8 Mercedes, einem Auto Sprengwagen, 35 PS 2000 ltr. Tank und einer Anhängerpumpe 800 ltr. in der Karmeliterstraße. Da standen noch zwei PKW mit TS8-Hänger und je einer Magirus-Pumpe mit 800 ltr./min.

 

 

 

 

 

Der Autosprengwagen war offen ohne Dach, die Mannschaft musste sich seitlich hinsetzen.

 

 

 

 

 

Weitere Gerätschaften:

1 Anhängerleiter 16 Meter Länge

1 Anhängerleiter 18 Meter Länge

3 Holzhaspelwagen

3 Hydrantenwagen

Buttenspritzen, Stoffeimer, usw.

Die Fahrzeuge waren in der Karmeliterstraße, Rossmarktstrasse (in einer Scheune neben der Rossmarktschule), Stadthaus, Altpörtel, Hagedornsgasse und in einer Unterkunft in der Siedlung (beim Milchgeschäft Oppinger) untergestellt. In der Siedlung stand die Abprotzpumpe auf zwei Rädern.

Bei einer Wehrübung auf dem Festplatz wurde ein LF 15, das Gerätewart Schellenberger erst grün umgespritzt hatte, mit schwarzen Kotflügeln und Reifenfelgen übergeben an Gruppenführer Franz Zimmermann. Hierzu wurde eine Mannschaft zusammengestellt. Das Fahrzeug stand in der Karmeliterstraße und befindet sich jetzt im Technikmuseum Speyer.

Es kam ein LF 15 in der Farbe Ocker vom damaligen Gau Pfalz. Es wurde eine Mannschaft für dieses Fahrzeug gewählt:

Gruppenführer Otto Hopp, Ludwig Stumpf, Otto Handermann, Walter Marquard, Karl Bayer, Heinz Schmidt, Karl Zech, Günther Jann (weitere Namen unbekannt).

Unsere Unterkunft war die Scheune neben der Schule in Rossmarktstrasse. Bei jedem Fliegeralarm mussten wir dann hinkommen, dort war auch der Luftschutzkeller. Wir wurden telefonisch überörtlich je nach Bedarf der Luftangriffe in Ludwigshafen und Umgebung, Mannheim, Frankenthal und Worms abberufen.

Pirmasens 1944
Pirmasens 1944

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiteres LF 15 in der Farbe Ocker (von der Firma Glöckner Deutz) bekam Josef Weckbach als Gruppenführer. Es war auch ein Gau-Pfalz-Fahrzeug, welches immer abberufen wurde. In der neuen Mannschaft waren auch Rolf Müller, Ludwig Mohnat und andere.

Jetzt bekam die Feuerwehr auch drei Motorräder, eine Viktoria, eine Presto und eine Adler. Die drei zuständigen Kameraden hierfür waren Walter Marquard, Karl Bayer und Willi Schwager.

Wir mussten den Führerschein Klasse IV bei der Polizei unter Polizeiobermeister Alfred Wagner ablegen und wurden dann zugeteilt.

Walter Marquard, Zug I unter Wehrleiter Dengler

Karl Bayer, Zug II unter Zugführer Hopp

Willi Schwager, Zug III unter Ludwig Clemens

Wir mussten nun bei jedem Fliegeralarm auf der Polizeibefehlsstelle antreten und dort im Luftschutzkeller die Befehle entgegennehmen. Wir mussten diese Befehle an die einzelnen Fahrzeugstandorte mit dem Motorrad überbringen.

Mitte des Jahres 1943 bekam die Feuerwehr auch das alte Schützenhaus im Schützengarten als Unterkunft zugeteilt. Wir mussten dann abends, sowie samstags und sonntags zum Arbeitsdienst antreten und die Unterkunft umbauen. Es wurden Tore rausgebrochen, Wände für einen Schlafraum erstellt, ein Heizungsraum, sowie ein Wasch- und Toilettenraum abgetrennt. Das Dach wurde umgedeckt, eine Dachrinne und ein Fallrohr angebracht. Die Maurerarbeiten wurden von den Kameraden Spies und Zinser ausgeführt, Zimmererarbeiten für die Hallentore von Gruppenführer Zöller und Lemmert, die eine Zimmerei hatten. Die Spenglerarbeiten erledigten Gruppenführer Otto Hopp und Karl Bayer, die Schlosserarbeiten für die Beschläge und Rolltore wurden von Anton Dengler (eigene Schlosserei) durchgeführt, Tüncherarbeiten Franz Zimmermann und Otto Fath, (eigenes Tünchergeschäft).

 

 

 

 

 

Im April 1944 kam ein SW (Schlauchwagen) mit einer kleinen Werkstatt im Innenraum in der Farbe Ocker. Das Fahrzeug unterstand Gruppenführer Otto Fath und war stationiert im Schützengarten.

Ein weiteres LF 15 kam hinzu, der von Gruppenführer Anton Diefenthäler besetzt wurde. Hierzu wurde dann eine Mannschaft ausgesucht.

 

 

 

Am 02. Januar 1945 musste ich in den Arbeitsdienst nach Oberelsbach an der Rhön einrücken. Anfang März kam ich zurück und hatte am großen und kleinen Zeh meines linken Fußes Erfrierungen. Ich war bei Dr. Linnhard im Diakonissenkrankenhaus in Behandlung. Als dann der Einrückbefehl der Wehrmacht kam (als Panzergrenadier nach Norddeutschland), wurde ich aus Krankheitsgründen zurückgestellt, da ich nicht laufen konnte.

Die Fahrzeuge wurden nun bei Fliegeralarm im Stadtbereich verteilt.

– LF 15 Zimmermann stand in der Landauerstraße, letztes Haus rechts, Richtung Berghausen, bei Vögeli in einer überdachten Toreinfahrt

– LF 15 Weckbauch stand in der Bahnhofstraße bei der Firma Velten unter einem großen Baum.

Am unteren Schützengarten waren zwei Kellerräume, die als Luftschutzbunker ausgebaut wurden. Die Heizungsanlage für die Fahrzeughalle und Nebenräume wurde von den Feuerwehrleuten Karl Jester und Ludwig Hammer (tätig bei der Schiffswerft Braun).

Zur gleichen Zeit wurde von den Feuerwehrleuten in drei Tagen ein Löschteich im Garten des Stiftungskrankenhauses, an der Mauer zur Allerheiligenstraße, ausgehoben.

Es kamen 17 Frauen zur Feuerwehr. Sie wurden eingekleidet und musste 3 Wochen Ausbildung im Schützengarten über sich ergehen lassen. Nach ihrer Ausbildung wurden sie in die Fahrzeugtruppen aufgenommen: Alarmzug Karmeliterstraße, Stadthaus, Schützenstraße sowie Gau-Bereitschaftszug.

Diese Unterkunft wurde, nachdem sie leer stand, komplett zerstört:

Der Wasserzähler im Keller der alten Unterkunft Schützengarten war zusammengeschlagen worden und das Wasser stand einen halben Meter hoch. Steine, Matratzen und Gerümpel lagen dazwischen. Die Türen und Tore waren herausgerissen, Ziegel entfernt, Waschräume zusammengeschlagen, Heizung demoliert und die Fenster zerstört.

Anfang März 1945 wurde die Stadt Speyer von den Amerikanern eingenommen. Etliche Feuerwehrfahrzeuge (Schlauchwagen, PKW, Motorräder und das offene Fahrzeug) wurde über den Rhein mitgenommen, bevor die Brücke gesprengt wurde.

 

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Löschgruppenfahrzeug 8 mit Schlauchanhänger

Bilder: Privatbesitz Karl Bayer und Stadtarchiv Speyer